Was haben historische Banknoten mit Gold zu tun?

Im Bild links zu sehen ist ein 5 US$-Schein aus dem Jahre 1907. Zwei Scheine davon, also 10 US$, bildeten 1907 genau den Gegenwert von der im unteren Bild zu sehenden Münze ab. Eine Goldmünze (½ Unze) mit einem Nennwert von 10 US$. Da 1907 die Pa-pierwährung zu 100% goldgedeckt war, waren beide Zahlungsmittel quasi austauschbar.

Was konnte man 1907 für 10 US$ kaufen? Ca. 5 paar Schuhe mittlerer Qualität. Im Jahr 2009 gibt es für 10 US$ nur noch 0,11 paar Schuhe (ca. 90 Dollar ein Paar). Für die ½ Unze Goldmünze, also etwa im aktuellen Gegenwert von 450 US$, sind gegenwärtig 5 Paar zu bekommen. Während die Kaufkraft des Geldes in der Goldmünze bis heute gut erhalten blieb, schmolz der Gegenwert in Waren und Dienstleistungen für das Papiergeld auf einen Restwert zusammen. Anzumerken ist, dass der rapide Verfall der Kaufkraft des Papiergeldes erst eintrat, als die Golddeckung aufgehoben wurde. Erst schleichend und dann immer schneller. Das ist keine neue Erkenntnis, selbst für Währungshüter nicht.

Alan Greenspan, der langjährige Ex-Notenbankchef der FED verfasste 1966 einen Artikel mit der Überschrift „Gold und wirtschaftliche Freiheit“. Ein in die aktuelle Zeit passendes Zitat aus diesem Artikel lautet:

„Wenn die Erzeugung von Geld (Ansprüchen) im Verhältnis zur Erzeugung von realen Gütern in der Wirtschaft zunimmt, müssen die Preise früher oder später steigen …“

Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr.
Quelle: Alan Greenspan

Wenn man die aktuelle Geld- oder genauer gesagt Kreditschöpfung weltweit betrachtet, die losgelöst von realer Produktion zunächst dazu dient, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern, ist sicher fast jedem klar, dass dafür irgendwann die Rechnung zu bezahlen ist – und zwar mit Zins und Zinseszins. Um dieses zu leisten, wären Steuersätze von 80% des Einkommens eine Möglichkeit, Inflationierung eine andere.

Und noch einmal Alan Greenspan:
Der Inhaber einer Staatsanleihe oder eines auf Papiergeld gegründeten Bankguthabens glaubt, er hat einen gültigen Anspruch auf Realwerte. In Wirklichkeit sind aber mehr Ansprüche auf Realwerte im Umlauf, als Realwerte vorhanden sind.

Es ist ja noch nicht einmal so, dass vermeintlich goldgedeckte Schuldversprechen (meist auch Zertifikate genannt) überhaupt mit mehr als einem Versprechen hinterlegt sind. Pa-pierwerte basieren auf dem Vertrauen darauf, dass dafür ein realer Gegenwert erworben werden kann. Solange das so ist, wird der Wert nur schleichend durch Inflation ausgehöhlt wie im obigen Beispiel am US$ dargestellt, der es zwar über die letzten 100 Jahre geschafft hat überhaupt existent zu bleiben, allerdings dabei 95% seiner ursprünglichen Kaufkraft verlor. Von untergegangenen Währungen sei einmal ganz abgesehen.

Der Mensch als „homo ludens“ entwickelt sich nach seinen gemachten Erfahrungen zu dem was er ist. Wächst man in einer Epoche der Stabilität auf, gehören Systembrüche nicht zum Erfahrungsschatz und Menschen, die Zinseszins, Verschuldung und Rückzahlungsfähigkeiten kritisch hinterfragen, können in der Volksmeinung schnell in das Lager der Untergangspropheten und Spinner einsortiert werden. Gehen Aktienkurse 20 Jahre lang nach oben – sind Aktien toll, gehen sie 20 Jahre lang nirgendwohin, nimmt das Lager der Aktienanleger dramatisch ab. Erlebt jemand Währungsreform, Kubakrise und die inflationären 70er Jahre, wird er eine andere Einstellung zu Zyklen haben als jemand, der aktiv seit 1982 stetig steigende Aktienkurse, Öffnung des eisernen Vorhangs und blühenden Welthandel erlebt hat. Historisch jedoch wechselten sich wirtschaftlich und politisch rauhe Phasen mit ruhigeren, prosperierenden Phasen ab.

Beide Phasen haben gemeinsam, dass Papierwerte entwertet werden, in der einen Phase schneller in der anderen langsamer.

Was ist mit der aktuellen Phase?” alt=”Was ist mit der aktuellen Phase?

Einen Analysten der Unicredit zitiert die ARD Börse am 17.06.2009 so: Ist die Hyperinflation also nur ein Hirngespinst? “Nein”. “Es gelingt uns Analysten aber nicht, diese liquiditätsinduzierten Hyperinflationsgefahren zu modellieren. Uns fehlen schlicht die Erfahrungswerte.”

Nichts Genaues weiss man nicht, bei Analysten nicht unüblich. Aber aufgrund fehlender Erfahrungswerte (s.o.) einfach mal die Wahrscheinlichkeit auf Null zu setzen und 100% der Ersparnisse in Papierwerte zu halten, ist langfristig im Hinblick auf die Geldmengen-wachstumsrate weltweit, der nahezu kein reales Wachstum gegenübersteht, sagen wir, zumindest mutig.

In Asien ist man da im Moment auf einem eher anderen Weg:

Um zumindest eine gewisse Vertrauensstabilisierung und auch Diversifizierung zu erreichen, kaufen asiatische Notenbanken, insbesondere die chinesische, tausende Tonnen physisches Gold, während westliche Notenbanken allein im Jahr 2007 552 Tonnen verkauften. Sind die Chinesen, die ja sonst geschäftlich als schlau gelten, da auf dem richtigen Weg? Warum kaufen Notenbanken Barren, also physisches Gold, und keine Goldzertifikate einer anderen Notenbank?

Die Antwort ist einfach. Das Barrengold ist nicht vermehrbar, T-Bonds (US-Staatsanleihen) lassen sich virtuell herstellen. Und ein wenig reale Werte, die nicht nur in Computern verbucht sind, gehören zur Währungsreserven¬diversifikation einfach dazu.

Für jeden Deutschen hält die Bundesbank ca. 41,57 Gramm Gold. Also halten das selbst die Bundesbanker irgendwie für sinnvoll. Wobei 90% der Menge davon in den USA lagert. So ein paar Unzen eigener privater Goldreserve kann da nicht wirklich schaden, auch wenn man nun innerlich eher der Aktien-, Renten- oder Fondsfraktion angehört. Im Gegensatz zum zeitlosen Gold entspricht das mehr dem sog. Zeitgeist, nur auch der kann sich sehr schnell ändern.

Goldene Grüße, Ihr
Aureus

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