Goldtrends 2009

Gold ist ein Anlagemedium, eine Reservewährung, aber auch ein nachgefragtes Metall für die weltweite Schmuckindustrie sowie in kleinerem Umfang auch für andere Aufgaben, insbesondere in der Elektronik. Diese Bereiche sind die Hauptnachfrager nach Gold.

Doch woher kommt es und in welchem Umfang? Das Angebot speist sich aus drei Hauptquellen. In erster Line ist da natürlich die Minenproduktion zu nennen. Weniger beachtet, aber nicht zu vernachlässigen, ist die Menge an recycleten Gold, das jährlich wieder in den Markt fliesst, sowie Verkäufe von Notenbanken. Gerade die Quelle für gebrauchtes Gold fällt immer mehr ins Auge, wenn man durch Städte oder auch abgelegenere Gebiete fährt. “GOLDANKAUF“ Schilder sind zumindest in Deutschland deutlich häufiger zu sehen. Gold hat nach jahrzehntelanger Abstinenz wieder seinen Weg in die Anlageüberlegungen von Privatpersonen und Institutionen gefunden. Der seit 2001 sehr kontinuierlich gestiegene Preis macht auch Goldabfälle wieder zu einem Geschäft. Es sei kurz angemerkt, dass in der Geschichte Phasen, in denen Gold “out“ ist, mit Phasen, in den Gold als Anlagemedium beachtet wird, häufig gewechselt haben. Von 1982 bis 2001 war es mehr oder weniger “out“. Von 2001 bis 2007 stieg der Goldpreis zwar an, aber gekümmert hat es wenige. Auch das ist als “normal“ zu bezeichnen. Die “in“ und “out“ Zyklen dauern 20-30 Jahre. Der aktuelle Zyklus mit Startpunkt 2001 ist demnach noch sehr jung. Der Tiefpunkt im Jahr 2001 war begleitet mit der Schließung der quasi letzten verbliebenen Edelmetallschalter und auch vieler Goldminenfonds.

Betrachtet man nun die aktuelle Phase so ist festzustellen, dass die Verbreitung von physischem Gold als Anlagemedium zwar etwas an Bedeutung gewonnen hat, aber die Investmentnachfrage nur etwas höher liegt als die industrielle. Noch immer wird der größte Anteil der Weltgoldnachfrage durch die Schmuckindustrie bestimmt. Der Investmentanteil betrug im Jahr 2006 gerade einmal 19% der Gesamtnachfrage – doch gerade dieser Anteil ist im Begriff sich zu ändern und diesem Trend steht mittelfristig ein Problem der Angebotsseite gegenüber. Die Minenproduktion steigt nicht mehr deutlich.

chauen wir uns die Gold Angebots- und Nachfragetrends im 1. Halbjahr 2009 einmal näher an:


Bei näherer Betrachtung der Daten stellt man interessante Tendenzen fest. Die Minenproduktion ist aufgrund begrenzter Vorkommen und des schwierigeren Abbaus nicht sehr elastisch, erhöht sich mit steigendem Goldpreis aber zumindest leicht. Der steigende Preis für das Edelmetall macht auch Recycling attraktiver, hier ergibt sich fast eine 100%ige Steigerung gegenüber 2007. Sehr auffällig ist, dass die Notenbanken bei niedrigen Goldpreisen Anfang des Jahrtausends sehr viel Gold verkauft haben und mit steigenden Preisen sich das Verhalten fast ins Gegenteil umkehrt – nur 38 Tonnen im ersten Halbjahr 2009 gegenüber 484 Tonnen im Jahr 2007. Wenn sich erst einmal ein Aufwärtstrend etabliert, verkaufen auch Notenbanken nicht mehr gern. Interessanter Trend.

Betrachtet man einmal die Nachfrageseite ist deutlich erkennbar, dass von der sog. “Gold-Blase“ nicht viel zu sehen ist. Die physische Investmentnachfrage ist im Trend positiv, aber nicht unbedingt als explosiv zu bezeichnen. Die industrielle Nachfrage ist, wie nicht anders in einer Rezession zu erwarten, rückläufig, die Anlagenachfrage stabil bis steigend.

Insgesamt ergab sich im 1. Halbjahr ein Angebotsüberschuss, der jedoch nicht zu Preisdruck geführt hat. Fundamental gesehen ein recht starkes Zeichen. Langfristig und das ist aus den Zahlen auch ersichtlich, deckt die Minenproduktion die Nachfrage nach Gold auf keinen Fall. Sollten die Notenbanken auf der Angebotsseite weiterhin zurückhaltend sein und die Industrienachfrage nur etwas zunehmen, gibt es eine erhebliche Angebotslücke. Solche Tendenzen sind langfristig eher preistreibend.

Andererseits: Selbst wenn Notenbanken stärker verkaufen sollten… irgendwann ist auch da “Ebbe“ in den Tresoren. Da man Gold im Gegensatz zu Geld nicht drucken kann, wäre das schlicht eine Frage der Zeit.

Auch ist das sog. “einfache“ Gold bereits gefördert und die Zeiten von herumliegenden Nuggets im Flussbett lange vorbei. Tonnen von Gestein müssen für ein Gramm Feingold bewegt, gemahlen und extrahiert werden. Der ständig steigende Kostenaufwand pro Unze beeinflusst langfristig auch nicht unerheblich die Goldpreisentwicklung.

Neben dem “Mythos“ Gold als Preisfaktor, haben also eine Vielzahl von Zusammenhängen Einfluss auf die Preisentwicklung. In der Tendenz liegt die Nachfrage seit Jahren deutlich über der Minenproduktion. Das dürfte sich auch nicht mehr ändern. Interessanterweise könnte die Goldpreisentwicklung in einer wirtschaftlichen Aufschwungphase viel spektakulärer werden als in der Krise, weil die größten Nachfragergruppen (Schmuck, Industrie) mehr Metall benötigen. Bleibt die Investmentnachfrage dabei nur stabil, wird es mit dem physischen Angebot sehr schnell knapp werden.

Goldene Grüße, Ihr
Aureus